Sport gleicht die Folgen von Schlafmangel wieder aus

Warum gesunder Schlaf so wichtig ist

Schlafmangel hat nicht nur massive Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Wer dauerhaft unter Schlafstörungen leidet, hat ein erhöhtes Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen, wie z. B. Depressionen, Demenz, Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die gute Nachricht: Mit Sport lassen sich die negativen Auswirkungen laut einer aktuellen Langzeitstudie offenbar wiedergutmachen.

18.08.2021

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen haben sich in den letzten Jahren mit dem Einfluss von gesundem Schlaf auf Wohlbefinden und Gesundheit beschäftigt. So zeigte eine jetzt veröffentlichte Studie von Prof. Dr. Soomi Lee von der University of South Florida mit 1.958 erwachsenen Teilnehmer*innen, dass Leistung, Stimmung und Energie bereits nach einer Nacht mit weniger als sechs Stunden Schlaf am nächsten Tag beeinträchtigt sind.

Wie massiv sich anhaltende Schlafstörungen auf die Gesundheit auswirken können, macht eine US-amerikanische Studie des Forscherteams um Dr. Rebecca Robbins, Boston, deutlich. Hier wurden die Daten von über 6.300 Erwachsenen ab 65 Jahren ausgewertet. Wie die Online-Plattform Medscape berichtet, erhöhen der Analyse zufolge anhaltende Einschlaf-Probleme das Risiko für vorzeitigen Tod jeglicher Ursache um 44 Prozent und das Demenz-Risiko um 49 Prozent. Bei lang andauernden Durchschlaf-Störungen war das Risiko für frühzeitigen Tod um 56 Prozent erhöht und das Risiko für Demenz um 39 Prozent.

Ursachenforschung

Die Ursachen für Schlafstörungen sind vielfältig. Dazu zählen Sorgen und Stress im Beruf und/oder im Privatleben, psychische Erkrankungen (z. B. Depressionen), hormonelle Veränderungen (z. B. Wechseljahre), organische Erkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente, um nur einige Gründe zu nennen.

Insbesondere der Faktor Stress bringt viele Menschen um ihren Schlaf. So ist es nicht verwunderlich, dass die Schlafqualität auch unter den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie leidet: Im Rahmen der Studie „Schlafen in Corona-Zeiten“, einer repräsentativen Befragung der Krankenkasse mhplus mit über 1.000 Bundesbürger*innen, gaben 54 Prozent der Befragten an, morgens wie gerädert aufzuwachen.

„53 Prozent der Befragten schlafen nachts unruhig und werden immer wieder wach“, berichtet Mariana Naumann, Expertin für Gesundheitsförderung bei der mhplus. Stress durch Homeoffice und Homeschooling, Sorge um das Wohl der Familie, fehlende soziale Kontakte, mehr Medienkonsum, kaum Entspannung durch Bewegung und Sport: All diese Faktoren lassen die Menschen nicht zur nächtlichen Ruhe kommen.

Sport gleicht die schädlichen Auswirkungen von Schlafstörungen wieder aus

Was können Sie tun, wenn Sie unter dauerhaften Schlafstörungen leiden? Die Vermeidung von Stress, Entspannungstechniken, wie z. B. Progressive Muskelentspannung oder Meditation, sowie das Einhalten fester „Bett-Zeiten“ zählen zu den ersten Maßnahmen, um endlich wieder besser einschlafen und durchschlafen zu können. Auch Umgebungsfaktoren wie die Raumtemperatur, die Helligkeit oder der Geräuschpegel spielen hier eine Rolle.

Eine wichtige Bedeutung kommt der körperlichen Aktivität zu: Mit Sport (regelmäßig mindestens 2,5 Stunden pro Woche) lässt sich die Schlafqualität deutlich verbessern. Und nicht nur das.

Die Online-Plattform Medscape hat jetzt eine aktuelle Langzeitstudie aus Großbritannien mit bemerkenswerten Ergebnissen vorgestellt: Dr. Emmanuel Stamatakis (University of Sydney, Australien) und sein Team analysierten hier die Daten von über 380.000 Frauen und Männern aus der „UK Biobank“, einer Langzeitstudie, in der die Gesundheit von 37- bis 73-Jährigen aufgezeichnet worden war.

Über einen Beobachtungszeitraum von elf Jahren wurden 4.095 Todesfälle infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 9.064 infolge von Krebserkrankungen registriert. Es zeigte sich – wie bereits in anderen Studien – ein unmittelbarer Zusammenhang: Je niedriger die Schlafqualität war, desto höher stieg das allgemeine Sterblichkeitsrisiko sowie das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Kam zur schlechten Schlafqualität auch noch Bewegunsgmangel hinzu, verschlechterten sich nahezu alle schädlichen Auswirkungen zusätzlich.

Doch die Wissenschaftler zeigten auch ein positives Ergebnis auf: Die Studienteilnehmer*innen konnten mit moderatem Training die schädlichen Auswirkungen, die schlechter Schlaf auf die Gesundheit hat, wieder ausgleichen, das heißt, das erhöhte Sterblichkeitsrisiko aufgrund der schlechten Schlafqualität wieder senken. Ein wichtiger Grund mehr, sportlich aktiver zu werden …

Noch eine letzte Empfehlung: Wenn Sie unter Schlafstörungen leiden und sich diese trotz eigener Bemühungen nicht bessern, sollten Sie Ihre Ärztin / Ihren Arzt aufsuchen und von den Beschwerden berichten.

Quellen:

Schlecht geschlafen? Wie schon wenige Nächte Defizit die Gesundheit beeinträchtigen und wie man aus der Abwärtsspirale rauskommt – Medscape – 27. Jul 2021.
Wer schlecht schläft und träge ist, stirbt früher – aber viel Bewegung macht Auswirkungen von schlechtem Schlaf wett – Medscape – 27. Jul 2021.
Lee S, et al: Ann Behav Med (online) 5. Juli 2021.
Robbins R et al. Sleep difficulties, incident dementia and all-cause mortality among older adults across 8 years: Findings from the National Health and Aging Trends Study. J Sleep Res. 2021;00:e13395.
Huang BH, et al: Br J Sports Med (online) 29. Juni 2021.

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