Husten

Husten ist eines der häufigsten Krankheitssymptome überhaupt. Meist sind Erkältungen oder grippale Infekte die Ursache. Husten kann aber auch Hinweis auf eine ernstere Erkrankung sein. An die 300 verschiedenen Krankheitsbilder, die Husten verursachen, sind bekannt.

Was ist Husten?

Husten ist ein Reflex, den wir nicht kontrollieren können. Er hat eine wichtige Funktion: Als Selbstreinigungs- bzw. Abwehrmechanismus des Körpers befreit er die Lunge und die Atemwege von Staub, Krankheitserregern und Fremdkörpern. Was zunächst mit einem unangenehmen Kribbeln im Hals beginnt, wird schnell zu einem schmerzhaften Kratzen. Der Hustenreiz wird dann so stark, dass die Luft in der Lunge explosionsartig mit bis zu 1000 Stundenkilometern ausgestoßen wird. So werden Fremdkörper herausgeschleudert.

Wer ist betroffen?

Husten kann bei jeder Atemwegserkrankung in jedem Alter auftreten. Kinder sind besonders oft betroffen, denn sie sind häufig erkältet: im Durchschnitt bis zu achtmal pro Jahr. Auch bei vielen Kinderkrankheiten, wie z. B. Pseudokrupp, Scharlach, Masern und Keuchhusten, ist Husten ein Symptom.

Wie entsteht Husten?

Unsere Atemwege verfügen über ein effektives Reinigungs- und Schutzsystem: Sie sind mit Millionen Flimmerhärchen ausgekleidet, auf denen eine dünne Schleimschicht sitzt. Fremdkörper, die wir einatmen, werden – zusammen mit Schleim – durch die Flimmerhärchen Richtung Rachen transportiert. Dort wird der Schleim entweder geschluckt oder ausgehustet.
 
Husten wird durch ein ausgeklügeltes „Programm“ gesteuert: In den Atemwegen sitzen sogenannte Husten-Rezeptoren. Werden diese in einem bestimmten Maße gereizt, senden sie Nervensignale an das Gehirn. Daraufhin gibt das Gehirn den Befehl an die Atemmuskulatur und den Kehlkopf, den Hustenreflex auszulösen und den Verursacher des Reizes abzustoßen. So löst z. B. das Einatmen von Rauch, Staub oder Krümeln sofort einen Hustenreflex aus.
 
Besondere Bedeutung bekommt der Husten bei einer Erkältung: Erkältungsviren greifen die Schleimhäute an und lösen eine Entzündung aus. Die Schleimhäute schwellen an, woraufhin die Husten-Rezeptoren Signale ans Gehirn senden. Unsere Immunabwehr mobilisiert jetzt alle Kräfte, um die Erreger zu bekämpfen: In den Bronchien wird verstärkt Schleim gebildet. Doch jetzt schafft das Reinigungssystem der Atemwege es jetzt nicht mehr, den Schleim aus den Atemwegen zu entfernen. Diese Aufgabe übernimmt der Husten: Der Schleim wird gelöst und Richtung Rachen transportiert.

Welche Arten von Husten gibt es?

Husten ist nicht gleich Husten: Unterschieden werden grundsätzlich zwei Arten: unproduktiver, trockener Reizhusten und produktiver Husten.

Unproduktiver Husten – trockener Reizhusten
Bei einer Erkältung ist Husten am Anfang trocken. Auslöser sind meist Viren, die in die Atemwege eindringen. Um sie abzuwehren, wird eine Entzündungsreaktion ausgelöst. Dabei entsteht auch ein Hustenreiz, ohne dass sich Fremdkörper oder Schleim in den Atemwegen befinden.

Weil dieser Husten keine Reinigungsfunktion hat und kein Schleim ausgeworfen wird, wird der Husten als unproduktiv bezeichnet. Er ist kräfteraubend – besonders für Kinder – und kann sehr schmerzhaft sein. Zwar befördert er die Krankheitserreger teilweise aus den Atemwegen heraus, vor allem aber verursacht er winzige Risse in der Schleimhaut. Jeder Atemzug kann eine neue Hustenattacke auslösen. So reißen die kleinen Wunden immer wieder auf und verschlimmern die Symptome – ein Teufelskreis entsteht.

Produktiver Husten
Bei einer Erkältung geht der unproduktive Husten nach 2-3 Tagen in einen produktiven Husten über, denn jetzt bildet sich Schleim in den Bronchien. Durch Husten löst sich der Schleim und kann abtransportiert werden. Die Atemwege und die Lunge werden von den Erregern befreit.

Kann der Schleim nicht abgehustet werden, ist er ein idealer Nährboden für Erreger. Ernstere Erkrankungen, wie z. B. Bronchitis oder Lungenentzündung, können die Folge sein.

Wie wird Husten behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Hustenart: Grundsätzlich stehen Hustenstiller und Hustenlöser zur Verfügung:

Bei unproduktivem Husten kommen sogenannte Hustenstiller (Antitussiva) zum Einsatz. Sie unterdrücken den Hustenreiz, damit sich die Schleimhäute erholen und heilen können.

Bewährte hustenstillende Wirkstoffe sind z. B. Codein, Dihydrocodein und Pentoxyverin. Kinder unter 12 Jahren sollten weder mit Codein noch Dihydrocodein behandelt werden. Wegen möglicher Nebenwirkungen sollten Hustenstiller nicht länger als eine Woche eingenommen werden. Zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen, wie z. B. beim Bedienen von Maschinen, wird Ihr Arzt oder Apotheker Sie umfassend informieren.

Anders sieht es bei produktivem Husten aus: Hier ist das Abhusten unbedingt erwünscht. Bei Erkältungen, die mit zähem, klebrigem Schleim einhergehen, braucht der Hustenreflex jedoch Unterstützung, um den Schleim aus den Atemwegen zu transportieren. Deshalb wird hier mit einem Hustenlöser (Expektoranzien) behandelt, der das Abhusten erleichtert und beschleunigt. Ausnahme: Vor dem Schlafengehen kann es sinnvoll sein, einen Hustenstiller einzunehmen, damit der Körper im Schlaf die Ruhe findet, sich zu erholen. Als Hustenlöser werden bevorzugt die Wirkstoffe Acetylcystein (ACC), Bromhexin und Ambroxol eingesetzt.

Sehr wirksam und verträglich sind auch Hustenmittel mit pflanzlichen Wirkstoffen, die Sie gegen beide Hustenarten in der Apotheke in unterschiedlichen Darreichungsformen erhalten: z. B. als Hustentropfen, Hustensaft und Hustenpastillen. Ihr Apothekenteam wird Sie hier kompetent beraten.

Wenn der Husten ein Anzeichen für eine akute bakterielle Infektion ist, wird der Arzt ein Antibiotikum verschreiben. Bei einer Viruserkrankung, wie z. B. Erkältungen oder Grippe, sind Antibiotika wirkungslos.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

Husten bei Säuglingen und Kleinkindern sollte immer vom Arzt abgeklärt werden. Er wird Ihr Kind untersuchen und anschließend entscheiden, welches Hustenmedikament infrage kommt.

Bei älteren Kindern oder auch wenn Sie selbst an einem Husten leiden, kann ein Hustenmedikament aus der Apotheke helfen. Hier stehen viele verschiedene Wirkstoffe, auch bewährte pflanzliche, zur Verfügung. Allerdings sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn neben Husten weitere Symptome auftreten, wie z. B. Fieber, blutiger Auswurf oder Schmerzen beim Atmen. Auch wenn trotz Behandlung keine Besserung eintritt oder sich die Beschwerden gar verschlechtern, ist ein Arztbesuch erforderlich.

Husten bei chronischen Erkrankungen
Hält ein Husten länger als acht Wochen an, liegt ein chronischer Husten vor. Der Arzt wird der Ursache jetzt mit einer weiterführenden Diagnostik auf den Grund gehen. Mögliche Ursachen sind neben Atemwegserkrankungen, wie z. B. Bronchitis, Lungenentzündung oder Asthma, um nur einige zu nennen, auch Erkrankungen anderer Organe, die ebenfalls einen chronischen Husten auslösen können: z. B. eine Herzschwäche oder die Refluxkrankheit.

Der Husten kann auch allergisch bedingt sein oder durch Medikamente, wie z. B. ACE-Hemmer, verursacht werden. Wird die zugrundeliegende Erkrankung erfolgreich behandelt, hört auch der Husten auf.

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