Migräne

Update 06.06.2024

Heftige, meist einseitige Kopfschmerzen, hohe Licht- und Geräuschempfindlichkeit, dazu Übelkeit und Erbrechen: Eine Migräne ist mit einem hohen Leidensdruck verbunden und kann zu starken Beeinträchtigungen im Alltag führen. Was hilft bei einer Attacke? Neben der medikamentösen Akutbehandlung spielen nicht medikamentöse Maßnahmen zur Vorbeugung eine wichtige Rolle.

Was ist eine Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, bei der als Hauptsymptom wiederkehrende Kopfschmerz-Attacken auftreten. Anhand der begleitenden Symptome kann zwischen zwei unterschiedlichen Migräneformen unterschieden werden:

  • Migräne ohne Aura
    Die Migräne ohne Aura ist die häufigere Form. Plötzlich einsetzende, pulsierende, meist einseitige Kopfschmerzen, die langsam immer stärker werden und bis zu 72 Stunden andauern, sind das Hauptsymptom. Oft leiden Betroffene auch unter Kreislaufproblemen, Übelkeit und Erbrechen.Während der Attacke reagieren sie besonders empfindlich auf Geräusche sowie Licht. Hat die Attacke ihren Höhepunkt erreicht, nehmen die Symptome langsam über 12 bis 24 Stunden ab und die Betroffenen fühlen sich müde und leer.
  • Migräne mit Aura
    Die Migräne mit Aura weist dieselben Symptome auf wie die Migräne ohne Aura. Aber bei etwa 10-15 Prozent der Betroffenen treten in der sogenannten Auraphase zusätzlich neurologische Symptome auf, die der Kopfschmerzphase vorausgehen und bis zu 60 Minuten andauern können, z. B. Seh- und Sprachstörungen, Sensibilitätsstörungen oder Gleichgewichtsstörungen.

Wer ist betroffen?
Weltweit sind zwischen 10 und 15 Prozent der Erwachsenen betroffen. Frauen leiden weit häufiger unter Migräne als Männer: in Deutschland ca. 28 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer, so das Robert Koch-Institut.

Migräne kann in jedem Alter auftreten. Auch jüngere Kinder können bereits Migräne-Anfälle haben. Überwiegend tritt sie im erwerbsfähigen Alter auf – danach nimmt sie stetig ab.

Wie entsteht eine Migräne?
Die Ursachen der Migräne sind komplex und noch nicht bis ins Detail erforscht. In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene Theorien aufgestellt. Heute geht man davon aus, dass der Kopfschmerz durch eine Entzündung an den Blutgefäßen des Gehirns entsteht, die durch Nervenfasern ausgelöst wird.

Für die Entwicklung einer Migräne besteht eine erbliche Veranlagung: Bei über 70 Prozent der Betroffenen leiden nahe Verwandte ebenfalls an Migräne. Verantwortlich sind mehrere Gene, das heißt, es liegt eine „polygenetische Disposition“ vor. 

Mutationen dieser Gene bewirken über komplexe biologische Mechanismen, dass die Betroffenen besonders empfindlich auf Reize reagieren. Ausgelöst wird die Migräne-Attacke aber erst durch bestimmte innere und äußere Faktoren, sogenannte Trigger.

Wie wird eine Migräne-Attacke ausgelöst?
Etwa 90 Prozent der Migräne-Patientinnen und -Patienten können die Faktoren benennen, die eine Attacke auslösen. Diese sind von Mensch zu Mensch verschieden.

Mögliche Trigger sind:

  • Stress
  • Hunger
  • Alkohol, z. B. Rotwein
  • Kaffee
  • Verschiedene Lebensmittel, z. B. Eier, Käse oder Gewürze
  • Hormonelle Schwankungen
  • Einnahme von Hormonpräparaten
  • Änderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Wetterwechsel
  • Unstete Lichtverhältnisse, z. B. eine flackernde Kerze
  • Starker Lärm, z. B. Baustellenlärm
  • Extreme Gerüche, z. B. Zigarettenqualm

Wie verläuft eine Migräne-Attacke?
Eine Migräne-Attacke verläuft in vier Phasen, wobei die Warnzeichen der sogenannten Vorphase nicht immer auftreten. Bei einer Migräne ohne Aura findet, wie der Name schon sagt, keine Auraphase statt.

  • Vorphase (Prodromalphase): Etwa jeder 3. Betroffene spürt eine bevorstehende Attacke schon Stunden bis Tage vor dem Anfall durch verschiedene uncharakteristische Symptome. Sie sind z. B. gereizt oder müde. Auch Euphorie, depressive Verstimmung, Appetitlosigkeit oder Heißhungerattacken können erste Warnzeichen sein.
  • Auraphase: Bei etwa 10-15 Prozent der Betroffenen kommt es nun zu neurologischen Symptomen, wie Sehstörungen, Missempfindungen, Gleichgewichtsstörungen etc. In der Regel beginnen die Symptome langsam und bilden sich auch langsam wieder zurück.
  • Kopfschmerzphase: Die Kopfschmerzphase dauert bei Erwachsenen ca. 4-72 Stunden, bei Kindern meist deutlich kürzer. Die Intensität der Schmerzen nimmt langsam über die Stunden zu. In der Schmerzspitze sind die Beschwerden stark bis sehr stark. Betroffene beschreiben die Kopfschmerzen als bohrend, krampfartig, pochend, pulsierend oder stechend. Ca. zwei Drittel der Betroffenen erlebt den Schmerz nur auf einer Kopfseite. Bei körperlicher Anstrengung verstärken sich die Schmerzen. Hinzu kommen häufig Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit.
  • Rückbildungsphase: In der Rückbildungsphase nehmen die Symptome langsam ab. Oft fühlen sich die Betroffenen müde, schlapp und abgespannt. Bis zur vollständigen Erholung können weitere 12-24 Stunden vergehen.

Wie wird eine Migräne dignostiziert?
Für die Diagnose der Migräne gibt es international verbindliche Kriterien, erläutert die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Auf dieser Grundlage können über 95 Prozent aller Migräne-Patientinnen und -Patienten korrekt diagnostiziert werden.

Kriterien der International Headache Society für Migräne

A. Mindestens 5 Attacken, welche die Bedingungen B-D erfüllen.
B. Kopfschmerzattacken, die (unbehandelt oder erfolglos behandelt) 4-72 Stunden anhalten.
C. Der Kopfschmerz weist mindestens 2 der folgenden Charakteristika auf:
1. einseitige Lokalisation
2. pulsierender Charakter
3. mittlere bis starke Schmerzintensität
4. Verstärkung durch körperliche Routineaktivitäten (z. B. Gehen oder Treppensteigen) oder führt zu deren Vermeidung
D. Während des Kopfschmerzes besteht mindestens eines:
1. Übelkeit und/oder Erbrechen
2. Photophobie und Phonophobie
E. Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen

Quelle: Headache Classification Committee. The international classification of headache disorders, 2nd edition. Cephalalgia 2004; 24 Suppl 1: 1-160

So beginnt die Diagnosestellung der Ärztin bzw. des Arztes mit einem ausführlichen Anamnesegespräch, in dem die oben genannten Kriterien überprüft werden. Dann folgt eine körperliche Untersuchung. Auf dieser Basis kann bereits eine typische Migräne ohne Aura diagnostiziert werden.

Bei unklarer Symptomatik und einer Migräne mit Aura ist eine fachärztlich-neurologische Untersuchung notwendig. Bildgebende Verfahren mittels MRT können erforderlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen. Eine apparative Diagnostik zum Nachweis einer Migräne gibt es nicht, so die DMKG.

Wie werden Migräne-Kopfschmerzen behandelt?
Migräne ist nicht heilbar, aber man kann sie heute gut behandeln. Hilfreich bei der Erstellung eines Therapieplans ist ein Kopfschmerzkalender, um Schmerzverläufe sowie mögliche psychische, körperliche, wetter- oder ernährungsbedingte Auslöser zu identifizieren. Anschließend werden Strategien entwickelt, diese Trigger zu vermeiden.

Medikamentöse Akuttherapie
Bei leichten Migräne-Attacken werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie z. B. Diclofenac empfohlen. Etwa 10 Minuten vor der Einnahme sollten Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon gegen die Übelkeit eingenommen werden. Sie regen auch die Magen-Darm-Bewegungen an und erleichtern so die Aufnahme des Schmerzmittels.

Bei mittelschweren bis schweren Migräne-Attacken oder bei ausbleibender Wirksamkeit der Schmerzmittel werden Triptane, also spezielle Migräne-Mittel, verordnet. Hier kann die Ärztin bzw. der Arzt mit verschiedenen Wirkstoffen individuell therapieren.

Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dürfen Triptane nicht einnehmen, da sie die Blutgefäße verengen.

Bitte beachten Sie: Schmerz- und Migräne-Mittel sollten nicht länger als 3 Tage hintereinander bzw. nicht öfter als 10 Tage im Monat eingenommen werden, da sie ihrerseits Kopfschmerz auslösen können.

Wenn die Attacken häufiger als 3-mal im Monat auftreten, kann eine medikamentöse Therapie zur Prophylaxe sinnvoll sein. Dazu werden z. B. Betablocker eingesetzt.

Nicht medikamentöse Therapie
Während einer akuten Attacke hilft es den Betroffenen, sich in ein ruhiges, abgedunkeltes Zimmer zurückzuziehen. Schonung und Entspannung sind jetzt sehr wichtig. So wenig Bewegung wie möglich und Kühlen der betroffenen Kopfseite können die meist pulsierenden Schmerzen ein wenig erträglicher machen.

Die nicht medikamentöse Therapie zielt aber eher darauf ab, die Migräne-Attacken zu vermeiden. Wenn Sie die individuellen Trigger kennen, sollten Sie diese natürlich meiden. Achten Sie auf ausreichend Schlaf und regelmäßige Mahlzeiten. Bewegung (Radfahren, Schwimmen, Joggen) und Entspannungsübungen (z. B. progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga und autogenes Training) sind zu empfehlen.

Auch eine gezielte Verhaltenstherapie kann helfen. Dabei lernen Betroffene, mehr auf die Signale des Körpers zu achten, Blutdruck und Herzschlag, aber auch Emotionen wie Wut oder Ärger bewusster zu fühlen und so gegebenenfalls schneller entspannende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Generell sollten Betroffene ihre Ernährungsgewohnheiten überprüfen und zu viel Fett, Süßes, Kaffee, Alkohol und Nikotin genauso meiden wie zu viel Lärm und zu intensive Sonnenstrahlung.

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