Spannungskopfschmerz

Wie im Schraubstock

„Als wäre mein Kopf in einem Schraubstock eingespannt.“ So beschreiben Betroffene die drückenden, dumpfen Schmerzen, die so typisch für den Spannungskopfschmerz sind. Spannungskopfschmerz ist – neben Migräne – eine der häufigsten Kopfschmerzarten. Er kann schon nach wenigen Minuten vorüber sein, aber auch bis zu einer Woche andauern. Bei häufig auftretendem Spannungskopfschmerz besteht ein hohes Risiko, dass der Schmerz chronisch wird.

Was ist ein Spannungskopfschmerz?
Der Spannungskopfschmerz zählt zu den sogenannten primären Kopfschmerzen. Im Gegensatz zu den sekundären Kopfschmerzen entsteht er nicht aufgrund einer anderen Erkrankung, z. B. einer Stoffwechselerkrankung, oder äußeren Einflüssen wie etwa einer chronischen Medikamenteneinnahme, sondern tritt selbstständig auf.

Man unterscheidet zwei Verlaufsformen von Spannungskopfschmerz: 

  • Episodischer Spannungskopfschmerz:
    tritt weniger als 12 Tage pro Jahr auf
  • Chronischer Spannungskopfschmerz:
    tritt mindestens 15 Tage pro Monat über mindestens 3 Monate auf

Die Betroffenen haben in den meisten Fällen leichte bis mittelstarke drückende oder beengende Schmerzen auf beiden Kopfseiten, die zwischen 30 Minuten und 7 Tagen andauern können.

Der Schmerz ist nicht pulsierend. Selten sind die Schmerzen so stark, dass man nicht arbeiten oder z. B. einkaufen gehen könnte. Sie begleiten einen eher störend über einen bestimmten Zeitraum.

Körperliche Aktivität hat in der Regel keinen Einfluss auf die Intensität der Schmerzen. Auch gehören Übelkeit oder Erbrechen nicht zum typischen Erscheinungsbild. Eine Licht- oder Lärmempfindlichkeit kann auftreten, jedoch nicht gleichzeitig.

In einigen Fällen gehen Spannungskopfschmerzen auch mit einer Migräne einher bzw. „kündigen“ Spannungskopfschmerzen eine Migräneattacke an.

Wer ist betroffen?
Episodische Spannungskopfschmerzen kommen sehr häufig vor: Bis zu 70 Prozent aller Deutschen sind 2- bis 3-mal im Monat betroffen. Ca. 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung leiden unter chronischen Spannungskopfschmerzen – sie entstehen in den meisten Fällen aus episodischem Spannungskopfschmerz. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Übergewichtige, Diabetiker, Menschen mit Arthrose und Menschen in Stresssituation haben ein erhöhtes Risiko, Spannungskopfschmerzen zu entwickeln. Auch Menschen mit psychischen Erkrankungen, wie z. B. Depressionen oder Angsterkrankungen, leiden deutlich häufiger unter chronischen Spannungskopfschmerzen.


Wie entsteht ein Spannungskopfschmerz?
Die Bezeichnung „Spannungskopfschmerz“ kommt nicht von ungefähr: Man dachte früher, dass dem Spannungskopfschmerz eine Verspannung der Nacken-, Hals- und Schultermuskulatur zugrunde liegen würde. Auch heute sieht man einen entsprechenden Zusammenhang, man kann ihn allerdings immer noch nicht genau erklären.

Inzwischen geht man aber davon aus, dass mehrere Faktoren einen Spannungskopfschmerz verursachen können:

So wird z. B. eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit bestimmter Triggerpunkte in der Muskulatur von Kopf, Hals und Schulter angenommen. Auch Veränderungen des Blut- und Nervenwassers oder Blutabflussstörungen der Venen werden als Ursachen diskutiert. Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) konnte gezeigt werden, dass bei Spannungskopfschmerzen bestimmte Gehirnregionen der Schmerzverarbeitung verändert sind.

Wenngleich die Ursachenforschung noch nicht abgeschlossen ist, kennt man doch heute verschiedene Risikofaktoren, die die Entstehung von Spannungskopfschmerzen fördern. Dazu zählt eine genetische Veranlagung: Das Risiko, chronische Spannungskopfschmerzen zu entwickeln, ist um das 3-fache erhöht, wenn bereits ein Familienmitglied betroffen ist.

Auch Stress, Infekte, Muskelfehlbelastungen und Fehlhaltungen im Bereich der Halswirbelsäule gehören zu den bekannten Risikofaktoren.


Wie stellt der Arzt Spannungskopfschmerzen fest?
Auch wenn Spannungskopfschmerzen in der Regel nicht durch ernsthafte Erkrankungen hervorgerufen werden, sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn öfter Kopfschmerzen auftreten oder wenn sie sehr stark sind. Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt. Er wird zunächst ein sogenanntes Anamnesegespräch führen, mit Fragen u. a. zur Schmerzintensität, zur Schmerzlokalisation und zu Begleitsymptomen. Er wird eventuell das Führen eines Kopfschmerztagebuchs über einen bestimmten Zeitraum anregen, um den Kopfschmerz besser einordnen zu können.

Auch eine körperliche Untersuchung sowie eine Blutdruckmessung geben Aufschluss über die mögliche Ursache.

In den meisten Fällen kann der Arzt eine ernsthafte Erkrankung ausschließen. Kann er allerdings die Symptome nicht eindeutig zuordnen oder liegen begleitende Symptome vor, wird er weiterführende diagnostische Schritte veranlassen, um schwerwiegende Grunderkrankungen auszuschließen. Dann wird er den Patienten zum Neurologen überweisen. Neurologische Tests, eine Blutuntersuchung oder bildgebende Verfahren, wie z. B. eine Kernspintomographie des Kopfes, können notwendig sein.


Wie werden Spannungskopfschmerzen behandelt?
Solange Spannungskopfschmerzen nicht chronisch sind, sind sie in der Regel gut therapierbar. Bei episodischen Spannungskopfschmerzen geht es in erster Linie um die Linderung akuter Schmerzen. Dabei haben sich frei verkäufliche Schmerzmittel aus der Apotheke wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen bewährt. Vor der Einnahme sollte ein Gespräch mit dem Arzt über Vor- und Nachteile der einzelnen Wirkstoffe stattfinden, insbesondere wenn man noch andere Medikamente einnimmt. So können mögliche Wechselwirkungen ausgeschlossen werden.

Auch homöopathische Wirkstoffe, wie z. B. Pfefferminzöl oder Tigerbalsam, die auf die Schläfen gerieben werden, können für Linderung sorgen. Ebenso helfen können Entspannungsübungen, wie z. B. die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson.

Wenn man häufiger unter episodischen Spannungskopfschmerzen leidet, sollte man in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, damit die Beschwerden nicht chronisch werden. Mit einer sogenannten multimodalen Therapie aus schmerzstillenden Arzneimitteln, Entspannungsübungen, Stressreduktion und Sport kann eine Chronifizierung gestoppt werden.

Chronische Spannungskopfschmerzen multimodal therapieren
Eine multimodale Therapie wird auch bei chronischem Spannungskopfschmerz angewendet. Jedoch geht es hierbei nicht nur darum, den Schmerz zu stillen, wie bei episodischen Spannungskopfschmerzen.

Ziel ist es vielmehr, den Schmerzen vorzubeugen bzw. sie nicht stark werden zu lassen. Denn eine dauerhafte Einnahme von schmerzstillenden Mitteln kann vielfältige unerwünschte Nebenwirkungen haben. Über einen längeren Zeitraum eingenommen, können sie zudem die Kopfschmerzen noch verschlimmern. Schmerzmittel sollten deshalb nicht länger als drei Tage und an weniger als 10 Tagen im Monat eingenommen werden.

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen werden deshalb vor allem Antidepressiva vom Arzt verschrieben, die die Schmerzempfindlichkeit der Patienten senken, indem sie in den Serotonin-Stoffwechsel im Gehirn eingreifen. Seltener werden antiepileptische Wirkstoffe und Muskelrelaxantien eingesetzt.

Verhaltenstherapie, Sport und Physiotherapie sind weitere Bausteine des multimodalen Therapiekonzepts.

Als verhaltenstherapeutische Maßnahme werden z. B. die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Autogenes Training angewendet, um die Körperwahrnehmung zu fördern und Wege für den Umgang mit Schmerzen aufzuzeigen. Auch Sportarten, wie z. B. Joggen und Schwimmen, helfen Betroffenen dabei, ihr allgemeines Körpergefühl zu verbessern, die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System leistungsfähiger zu machen und zu entspannen.

Da muskuläre Verspannungen, vor allem im Nacken, Kopfschmerzen begünstigen, können regelmäßige Physiotherapiesitzungen zur gezielten Entspannung, aber auch zur Stärkung der Muskulatur, wahre Wunder bewirken.

Wenn Sie unter chronischen Spannungskopfschmerzen leiden, erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Krankenkasse, ob sie Sie bei Verhaltenstherapie, Sport und Physiotherapie unterstützen kann und z. B. die Kosten für bestimmte Kurse oder Physiotherapie übernimmt.


Was können Sie sonst noch gegen Spannungskopfschmerzen tun?
Bestimmte Faktoren, wie z. B. Stress, Schlafmangel, eine unausgewogene Ernährung oder eine ungünstige Körperhaltung, können das Entstehen von primären Kopfschmerzen wie Spannungskopfschmerz begünstigen. Ein entsprechendes Verhalten kann helfen, den Schmerz gar nicht erst entstehen zu lassen.
Sorgen Sie für Stressabbau und regelmäßige Entspannung.

  • Sorgen Sie für Stressabbau und regelmäßige Entspannung.
  • Schlafen Sie ausreichend.
  • Gehen Sie regelmäßig an die frische Luft. Spaziergänge tun Körper und Geist gut.
  • Nehmen Sie regelmäßige Mahlzeiten ein und trinken Sie ausreichend – mindestens 1,5 Liter am Tag.
  • Achten Sie auf rückengerechtes Wohnen und Arbeiten, um Verspannungen beim Liegen und Sitzen vorzubeugen.
  • Wenn Sie beruflich viel mit dem Auto unterwegs sind, achten Sie auf regelmäßige Pausen, in denen Sie sich ein wenig bewegen sollten.

Bildquelle: © iuricazac, fotolia.com

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