Spannungskopfschmerz
„Als wäre mein Kopf in einem Schraubstock eingespannt.“ So beschreiben viele Menschen die drückenden, dumpfen Schmerzen, die für Spannungskopfschmerzen typisch sind. Sie sind die häufigste Kopfschmerzform überhaupt. Auch wenn die Schmerzintensität meist geringer ist als bei Migräne, können Spannungskopfschmerzen sehr belastend sein – vor allem, wenn sie regelmäßig oder dauerhaft auftreten. Dann besteht das Risiko, dass die Beschwerden chronisch werden.
Was ist ein Spannungskopfschmerz?
Kopfschmerzen vom Spannungstyp – so die medizinisch korrekte Bezeichnung – zählen zu den primären Kopfschmerzen. Das bedeutet: Sie treten eigenständig auf und sind keine Folge anderer Erkrankungen.
Man unterscheidet zwei Verlaufsformen:
- Episodischer Spannungskopfschmerz:
tritt an weniger als 12 Tagen im Jahr auf - Chronischer Spannungskopfschmerz:
tritt an mindestens 15 Tagen pro Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auf
⇒ Ein chronischer Spannungskopfschmerz entwickelt sich häufig aus einem episodischen – insbesondere bei anhaltender Belastung oder fehlender Behandlung.
Typisch sind leichte bis mittelstarke, drückende oder ziehende Schmerzen, meist beidseitig. Die Beschwerden können mehrere Stunden, in manchen Fällen auch Tage andauern. Übelkeit oder Erbrechen gehören nicht zum typischen Bild – das unterscheidet den Spannungskopfschmerz von Migräne. Körperliche Aktivität verschlechtert die Schmerzen in der Regel nicht. Eine Licht- oder Lärmempfindlichkeit kann auftreten, aber nicht gleichzeitig.
Gelegentlich kann sich ein Spannungskopfschmerz mit einer Migräne überlagern – oder als Vorbote einer Migräne-Attacke auftreten.
Wer ist betroffen?
Weltweit leiden laut aktuellen Schätzungen rund 1,9 Milliarden Menschen an Spannungskopfschmerzen – in Deutschland etwa 30 Millionen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Beschwerden können in jedem Lebensalter auftreten, sogar schon im Kindes- und Jugendalter.
Wie entsteht ein Spannungskopfschmerz?
Früher nahm man an, dass Muskelverspannungen – vor allem im Bereich von Nacken, Schultern und Hals – die Hauptursache wären. Heute weiß man: Die Entstehung ist multifaktoriell.
Forschende gehen davon aus, dass langanhaltende Muskelanspannung die Schmerzverarbeitung im Gehirn verändert. Die Schmerzschwelle sinkt – selbst geringe Reize können Schmerzen auslösen.
Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Wenn enge Familienangehörige betroffen sind, ist das Risiko um ein Vielfaches erhöht, selbst Spannungskopfschmerzen zu entwickeln.
Zu den häufigsten Auslösern zählen:
- Stress und psychische Belastung
- Bewegungsmangel
- Fehlhaltungen (z. B. durch langes Sitzen)
- Schlafmangel
- Flüssigkeitsmangel
Wie werden Spannungskopfschmerzen diagnostiziert?
Wenn du regelmäßig unter Kopfschmerzen leidest, solltest du deine Hausärztin oder deinen Hausarzt aufsuchen. Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Anamnesegespräch – also Fragen zu Art, Dauer, Häufigkeit und Begleitsymptomen der Schmerzen.
In vielen Fällen reicht das bereits aus, um andere Erkrankungen auszuschließen. Wenn nötig, folgen weitere Untersuchungen – z. B. neurologische Tests, Blutuntersuchungen oder bildgebende Verfahren wie MRT oder CT, um seltene Ursachen (z. B. Tumoren, Gefäßerkrankungen) auszuschließen.
Wie werden Spannungskopfschmerzen behandelt?
– Episodischer Spannungskopfschmerz
Die Behandlung zielt darauf ab, die akuten Schmerzen zu lindern. Bewährt haben sich freiverkäufliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Ibuprofen.
Vor der Einnahme solltest du dich ärztlich oder in der Apotheke beraten lassen – vor allem, wenn du regelmäßig andere Medikamente einnimmst. So lassen sich Wechselwirkungen vermeiden.
Auch nicht-medikamentöse Maßnahmen helfen vielen Betroffenen, etwa das Auftragen von 10 %igem Pfefferminzöl auf Schläfen und Nacken oder Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson.
– Chronischer Spannungskopfschmerz
Hier reicht eine reine Schmerzbehandlung nicht aus. Ziel ist es, den Schmerz dauerhaft zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Denn: Wer regelmäßig Schmerzmittel nimmt, riskiert sogenannte medikamenteninduzierte Kopfschmerzen. Deshalb gilt: Schmerzmittel nicht länger als 3 Tage hintereinander und an maximal 10 Tagen pro Monat einnehmen.
Behandlungsbausteine bei chronischem Spannungskopfschmerz:
- Medikamentös:
Häufig wird das trizyklische Antidepressivum Amitriptylin eingesetzt – in niedriger Dosierung. Es wirkt nicht stimmungsaufhellend, sondern beeinflusst die Schmerzverarbeitung im Gehirn. Andere Wirkstoffe wie Muskelrelaxanzien oder Antiepileptika kommen seltener zum Einsatz. - Verhaltenstherapie:
Techniken wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training können helfen, Stress besser zu bewältigen und die Wahrnehmung des Körpers zu verbessern. - Bewegung:
Regelmäßiger Ausdauersport wie Schwimmen, Walken oder Radfahren stärkt nicht nur den Kreislauf, sondern auch das Schmerzempfinden. - Physiotherapie:
Gezielte Übungen zur Lockerung und Kräftigung der Nacken- und Schultermuskulatur sind besonders bei muskulär bedingten Verspannungen hilfreich.
Wenn du an chronischen Spannungskopfschmerzen leidest, sprich mit deiner Krankenkasse. Viele bieten Kursangebote, erstatten Kosten für Präventionsprogramme oder unterstützen dich bei Physiotherapie und Verhaltenstherapie.
Was kannst du selbst tun?
Bestimmte Auslöser wie Stress, Schlafmangel oder Fehlhaltungen lassen sich beeinflussen – und so die Entstehung von Spannungskopfschmerzen verhindern. Das kannst du selbst tun:
- Sorge für regelmäßige Entspannung und Stressabbau.
- Schlafe ausreichend – möglichst 7 bis 8 Stunden pro Nacht.
- Gehe täglich an die frische Luft – Bewegung hilft Körper und Geist.
- Achte auf regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit – mindestens 1,5 Liter am Tag.
- Optimiere deine Sitzhaltung – z. B. durch einen ergonomischen Arbeitsplatz.
- Plane bei langen Autofahrten Pausen zum Bewegen ein.
Quellen:
Steiner, T. J., Stovner, L. J., Jensen, R., Uluduz, D., & Katsarava, Z. (2020). Migraine remains second among the world’s causes of disability, and first among young women: findings from GBD 2019. The Journal of Headache and Pain, 21(1), 137. https://doi.org/10.1186/s10194-020-01208-0
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). (2023). Spannungskopfschmerz – Patienteninformation. Abgerufen von https://www.dmkg.de
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). (2020). S1-Leitlinie: Kopfschmerz bei Erwachsenen in der hausärztlichen Versorgung (AWMF-Registernr. 053-013). Abgerufen von https://www.awmf.org
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