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Schwindel

Es dreht sich, die Umgebung schwankt hin und her, man fühlt sich hoch- oder hinuntergezogen: So unterschiedlich Schwindel auch wahrgenommen wird – immer geht damit das Gefühl einher, die sichere Orientierung im Raum zu verlieren. Häufig wiederkehrender oder anhaltender Schwindel ist sehr belastend. Die Ursachen sind ebenso vielfältig wie die Erscheinungsformen und sollten immer ärztlich abgeklärt werden.

Was ist Schwindel?
Schwindel (medizinisch: Vertigo) ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein sogenanntes multisensorisches Symptom. Es zeigt eine Störung im Gleichgewichtssystem an. Die Betroffenen verlieren die sichere Orientierung im Raum, was sich durch Stand- und Gangunsicherheiten und eine erhöhte Sturzgefahr äußern kann.

Die Empfindungen sind sehr unterschiedlich, was zur Einteilung in verschiedene Schwindelformen führt:

  • Drehschwindel: Alles scheint sich um dich zu drehen.
  • Liftschwindel: Es fühlt sich an, als würdest du nach oben oder unten gezogen.
  • Schwankschwindel: Deine Umgebung scheint hin- und herzuschwanken.

Außerdem kommt der sogenannte Benommenheitsschwindel vor, bei dem man sich dauerhaft benommen und unsicher in der Bewegung fühlt.

Schwindel kann plötzlich (als Attacke) auftreten, Sekunden bis Stunden dauern und wieder verschwinden. Er kann über Tage oder Wochen anhalten (Dauerschwindel) oder dauerhaft vorhanden sein (chronischer Schwindel).

In der Regel wird Schwindel von weiteren Symptomen begleitet, z. B. Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Schweißausbrüchen oder einem unkontrollierten Augenzittern (Nystagmus).

Wer ist betroffen?
Schwindel gehört zu den häufigsten Symptomen, mit denen eine hausärztliche Praxis aufgesucht wird. Jährlich erkranken 11 % der Menschen neu an Schwindel, berichtet die Deutsche Hirnstiftung. Besonders häufig tritt Schwindel im höheren Alter auf. Frauen sind insgesamt häufiger betroffen als Männer.

Wie entsteht Schwindel?
Schwindel zeigt eine Störung in der Informationsvermittlung von verschiedenen Sinnessystemen an das Gehirn an. Die Sinnessysteme sind: das Sehen, der Gleichgewichtssinn in den Innenohren sowie das Tast- und Tiefenempfinden in Haut, Muskeln und Gelenken. 

Das Gehirn vergleicht und verarbeitet alle Informationen und koordiniert jede Bewegung.

Schwindelgefühle entstehen, wenn die Informationen in diesem komplexen System widersprüchlich sind. Gleiches geschieht, wenn die Informationen zwar korrekt eingehen, sie aber im Gehirn aufgrund einer Funktionsstörung nicht richtig weiterverarbeitet werden können.

Wodurch wird Schwindel ausgelöst?
Schwindel hat vielfältige Ursachen: So kann er nach einer schnellen Karussellfahrt, in großen Höhen oder bei Bewegungen im Bus oder Schiff (Reisekrankheit) auftreten. Auch Schlafmangel, Übermüdung, eine falsch eingestellte Brille, Unterzuckerung, hohes Fieber, bestimmte Medikamente oder Alkohol können Schwindel auslösen.

Schwindel kann aber auch Hinweis auf eine Erkrankung sein, etwa auf:

  • Erkrankungen des Innenohrs (z. B. gutartiger Lagerungsschwindel, Morbus Menière)
  • Neurologische Erkrankungen (z. B. Durchblutungsstörungen im Gehirn, Migräne, Multiple Sklerose, Epilepsie)
  • Internistische Erkrankungen (z. B. Diabetes, Blutarmut, Bluthochdruck)
  • Orthopädische Probleme (z. B. Halswirbelsäulensyndrom)
  • Psychische Erkrankungen (z. B. Angststörungen, Depressionen)

Welche Schwindelerkrankungen kommen besonders häufig vor?
In der Regel wird Schwindel von verschiedenen Symptomen begleitet. Für die Ärztin bzw. den Arzt ist die Begleitsymtomatik wichtig, um die Ursache des Schwindels bestimmen zu können und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Zu den häufigsten Schwindelerkrankungen zählen:

  • Gutartiger Lagerungsschwindel: Plötzlicher Drehschwindel bei Kopfbewegungen (z. B. nächtliches Umdrehen). Ursache sind kleine Kristalle („Ohrsteinchen“) in den Bogengängen

  • Vestibuläre Migräne: Anfallsartiger Schwindel (meist Drehschwindel), oft mit Kopfschmerzen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit

  • Morbus Menière: Attackenartiger Drehschwindel zusammen mit Hörverlust und Ohrgeräuschen (Tinnitus) durch eine gestörte Produktion der Innenohrflüssigkeit. Als Ursache wird ein entzündlicher Prozess vermutet.

  • Neuritis vestibularis: Länger anhaltender Drehschwindel (Tage bis Wochen), meist durch eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs

  • Phobischer Schwankschwindel (eine Form des psychogenen Schwindels): Schwindelgefühle ohne organische Ursache, oft bei Angst- oder Panikstörungen. Bei jüngeren Menschen ist dies eine häufige Ursache.

Wann solltest du eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen?
Schwindel kann harmlos sein. Dennoch solltest du ihn immer ärztlich abklären lassen, wenn er plötzlich neu auftritt, häufig wiederkommt oder lange anhält. Wichtige Fragen in der ärztlichen Praxis sind zum Beispiel:

  • Wie genau fühlt sich der Schwindel an?
  • Wie lange dauert er?
  • In welchen Situationen tritt er auf?
  • Gibt es Begleitsymptome (Übelkeit, Hörprobleme, Kopfschmerzen, Fallneigung)?

Oft kann in der hausärztlichen Praxis bereits anhand der Schilderung und ersten Untersuchungen eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Weitere Untersuchungen (z. B. Gleichgewichtstests, Herz-Kreislauf-Checks) helfen, die Ursache einzugrenzen. Bei Bedarf wirst Du an Fachärztinnen oder Fachärzte (Neurologie, HNO, Augenheilkunde, Orthopädie, Psychotherapie) oder in eine Schwindelambulanz überwiesen.

Wie wird Schwindel behandelt?
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache und ist individuell.

Bei akuten und starken Schwindelanfällen können Antivertiginosa verschrieben werden. Sie wirken nur symptomatisch, indem sie den Schwindel lindern, sollten aber nur kurzzeitig eingenommen werden. Je nach Schwindelerkrankung kommen auch andere Medikamente zum Einsatz. 

Bei psychisch bedingtem Schwindel können psychotherapeutische Maßnahmen helfen.

Sehr wirksam ist oft auch ein spezielles Gleichgewichtstraining  (vestibuläre Rehabilitation). Lass dich dazu individuell beraten. 

Quellen:
Deutsche Hirnstiftung: Schwindel
Neurologen und Psychiater im Netz: Schwindel
Deutsche Gesellschaft für Hals‑Nasen‑Ohren‑Heilkunde, Kopf‑ und Hals‑Chirurgie (DGHNO‑KHC); Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). S2k‑Leitlinie „Vestibuläre Funktionsstörungen“ – AWMF‑Register Nr. 017‑078, Stand März 2021.

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Update 16.07.2025