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Lipödem

Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung des Unterhautfettgewebes, die vor allem Frauen betrifft. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 10 Prozent der Frauen an einem Lipödem, so die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten.

Was ist ein Lipödem?
Beim Lipödem kommt es zu einer symmetrischen Fettvermehrung, typischerweise an Beinen, Hüften und Gesäß, seltener an den Armen. Hände, Füße und Oberkörper bleiben meist schlank. Charakteristisch sind Druck- und Berührungsschmerzen, ein Spannungsgefühl sowie die Neigung zu blauen Flecken. Die Erkrankung kann die Mobilität einschränken und ist mit Schmerzen und funktionellen Einschränkungen verbunden.

Wer ist betroffen?
Vom Lipödem sind fast ausschließlich Frauen betroffen. Die Erkrankung tritt häufig erstmals zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf, kann sich jedoch auch früher oder später zeigen.

Männer erkranken nur sehr selten an einem Lipödem; in diesen Fällen liegen meist hormonelle Störungen zugrunde, etwa infolge schwerer Lebererkrankungen oder im Rahmen einer Hormontherapie, beispielsweise bei Prostatakarzinom.

Wie entsteht ein Lipödem?
Die genaue Ursache ist noch nicht hinreichend geklärt. Vermutet wird, dass das Lipödem sowohl genetisch als auch hormonell bedingt ist. So treten Lipödeme häufig während der Pubertät, zu Beginn oder nach Absetzen einer hormonellen Verhütungsmethode, nach einer Schwangerschaft und in den Wechseljahren auf.

Wie äußert sich ein Lipödem?
Beim Lipödem kommt es zu einer krankhaften Vermehrung und Vergrößerung der Fettzellen im Unterhautfettgewebe. Typische Beschwerden sind ein Schweregefühl der Beine, zunehmende Druck- und Berührungsschmerzen sowie eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit, die sich im Tagesverlauf oft verstärkt.

Zusätzlich zeigen sich Veränderungen der kleinsten Blutgefäße (Kapillaren) in den betroffenen Arealen. Diese sind vermehrt fragil, sodass bereits geringfügige Belastungen zu blauen Flecken oder Blutergüssen (Hämatomen) führen können.

Bei einigen Betroffenen kommt es zudem zu Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe (Ödemen), die den Druck auf das umliegende Gewebe erhöhen und die Schmerzen verstärken können. Ein ausgeprägtes Lymphödem entsteht jedoch in der Regel erst im fortgeschrittenen Verlauf als sogenannte sekundäre Komplikation (Lipolymphödem).

Das Lipödem wird klinisch in drei Stadien unterteilt:

  • Stadium I:
    gleichmäßig verteiltes Fettgewebe, glatte Haut

  • Stadium II:
    knotiges Fettgewebe, unebene Hautoberfläche mit Wellen und Dellen

  • Stadium III:
    stark vermehrtes, verhärtetes Fettgewebe, überhängende Fettwülste, Beweglichkeit eingeschränkt

Wie wird ein Lipödem festgestellt?
Die Diagnose erfolgt in erster Linie klinisch, also durch eine Anamnese und eine körperliche Untersuchung. Typische Hinweise sind:

  • Symmetrische Fettvermehrung bei schlankem Oberkörper
  • Druck- und Berührungsschmerzen
  • Spannungsgefühl und Müdigkeit in den Beinen
  • Blaue Flecken schon bei leichten Stößen
  • Beginn oder Verschlechterung in hormonellen Phasen

Wichtig ist die Abgrenzung zu Adipositas, Lymphödemen oder anderen Erkrankungen. Hände und Füße sind beim Lipödem meist nicht betroffen, was ein zentrales Unterscheidungsmerkmal ist. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT können ergänzend eingesetzt werden, sind aber nicht zwingend erforderlich. Die Diagnose sollte von erfahrenen Fachärztinnen und Fachärzten (Dermatologie, Phlebologie, Angiologie) gestellt werden.

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Wie wird das Lipödem behandelt?
Die Basis der Behandlung sind konservative Maßnahmen, die Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern können:

  • Kompressionstherapie zur Unterstützung der Gewebedrainage und Reduktion von Schweregefühl
  • Manuelle Lymphdrainage bei Flüssigkeitseinlagerungen
  • Bewegung und Physiotherapie zur Förderung der Mobilität und des Lymphflusses

Diese Maßnahmen werden bei ärztlicher Verordnung in der Regel von den Krankenassen übernommen.

Wenn konservative Therapien nicht ausreichend wirken, kann eine operative Behandlung, eine Liposuktion, sinnvoll sein. Ziel ist die dauerhafte Entfernung krankhaft vermehrten Fettgewebes, wodurch Schmerzen reduziert werden und die Beweglichkeit verbessert wird. Mehrere Eingriffe können notwendig sein; Kompression und Bewegung bleiben auch danach wichtig.

NEU: Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ab 2026

Bislang übernahmen die Krankenkassen die Kosten für eine Liposuktion erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Doch im Juli 2025 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, dass die Kosten für eine operative Fettabsaugung bei Patientinnen mit einem Lipödem unabhängig vom Stadium der chronischen Erkrankung übernommen werden. 

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: 

  • vorherige konservative Therapie über mindestens 6 Monate
  • diagnostische Abklärung durch qualifizierte Fachärztinnen und -ärzte (z. B. für Innere Medizin und Angiologie, für Physikalische und Rehabilitative Medizin oder für Haut- und Geschlechtskrankheiten).
  • stabile Gewichtssituation

Was kannst du selbst tun?
Auch wenn das Lipödem medizinisch behandelt werden muss, kannst du selbst einiges tun, um Beschwerden zu lindern und deinen Alltag besser zu gestalten.

Achte auf eine ausgewogene Ernährung
Die beim Lipödem vermehrten Fettdepots lassen sich nicht durch Diäten abbauen. Eine ausgewogene Ernährung kann jedoch helfen, Begleitbeschwerden zu reduzieren und zusätzliches Übergewicht zu vermeiden, das Schmerzen und Schwellungen verstärken kann.

Bewährt hat sich eine ausgewogene Ernährung, etwa nach mediterranem Vorbild mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Fisch und hochwertigen pflanzlichen Ölen. Stark verarbeitete, sehr zucker- oder fettreiche Lebensmittel solltest du eher selten zu dir nehmen. Starre Verbote sind meist wenig hilfreich – wichtig ist, dass deine Ernährung langfristig zu dir und deinem Alltag passt. Eine Ernährungsberatung kann dich dabei unterstützen.

Baue Entspannung bewusst in deinen Alltag ein
Chronische Schmerzen und körperliche Veränderungen sind belastend. Entspannungsverfahren wie Atemübungen, Yoga oder Meditation können helfen, Stress zu reduzieren und den Umgang mit Schmerzen zu erleichtern. Regelmäßige Ruhephasen sind ein wichtiger Teil deiner Selbstfürsorge.

Pflege deine Haut
Die Haut in den betroffenen Bereichen braucht besondere Aufmerksamkeit. Feuchtigkeitsspendende und rückfettende Pflegeprodukte können Spannungsgefühle lindern. Kühlende Gele oder vorsichtig eingesetzte Kühlpacks empfinden viele Betroffene – besonders bei Wärme – als angenehm.

Nimm seelische Unterstützung an
Das Lipödem kann auch psychisch belasten. Wenn du merkst, dass dich die Erkrankung emotional stark beansprucht, scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sprich deine Ärztin oder deinen Arzt darauf an.

Informiere dich und suche Austausch
Gut informiert zu sein hilft dir, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen bieten verlässliche Informationen und die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Zu wissen, dass du nicht allein bist, kann sehr entlastend sein.

Quellen:
Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG): Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) beschließt Ausweitung der Behandlung beim Lipödem: Liposuktion („Fettabsaugung“) wird zur GKV-Kassenleistung. 
Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e.V.: S2K-Lipödem, 5.0, 2024, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/037-012 (abgerufen am: 10.12.2025)
Gemeinsamer Bundesausschuss. (G-BA): Operative Behandlung des Lipödems: G-BA nimmt Liposuktion nach positiver Nutzenbewertung in den regulären Leistungskatalog auf.

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Update 10.12.2025