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Schlafstörungen
Viele Menschen leiden gelegentlich unter Schlafproblemen – etwa in stressigen Phasen, bei familiären Belastungen oder auch durch Schichtarbeit. So lange die Schlafstörungen nur für kurze Zeit auftreten, sind sie zwar unangenehm, aber nicht beunruhigend. Wenn schlechter Schlaf jedoch zur Regel wird und die Lebensqualität spürbar beeinträchtigt, ist es wichtig, die Ursachen abklären zu lassen.
Warum ist Schlaf wichtig?
Schlaf ist weit mehr als bloße Erholung – er ist eine unverzichtbare Voraussetzung für unsere körperliche und seelische Gesundheit. Während wir schlafen, laufen im Körper zahlreiche Prozesse ab, die tagsüber kaum oder gar nicht stattfinden können. Das Gehirn nutzt die nächtliche Ruhephase, um Informationen zu verarbeiten, Erinnerungen zu festigen und Unwichtiges auszusortieren. Gleichzeitig regenerieren sich Nervenzellen, und das Immunsystem wird aktiv – wichtige Voraussetzungen, um Infekte abzuwehren und Entzündungen zu kontrollieren.
Auch der Hormonhaushalt ist eng mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus verbunden. So wird in der Nacht unter anderem das Wachstumshormon ausgeschüttet, das an der Zellreparatur und am Stoffwechsel beteiligt ist. Gleichzeitig sinkt der Spiegel des Stresshormons Cortisol – ein Effekt, der Körper und Psyche gleichermaßen entlastet.
Wenn der Schlaf dauerhaft gestört ist, kann dieses fein abgestimmte Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht geraten. Studien zeigen, dass chronischer Schlafmangel langfristig das Risiko für verschiedene Erkrankungen erhöhen kann – etwa für Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes oder auch Depressionen.
Kurz gesagt: Wer gut schläft, ist körperlich und geistig leistungsfähiger, ausgeglichener – und langfristig gesünder.
Was ist eine Schlafstörung?
Probleme beim Einschlafen, häufiges Aufwachen in der Nacht oder auch zu frühes Aufwachen am Morgen: Schlafstörungen (medizinisch: Insomnie) äußern sich auf unterschiedliche Weise.
Wichtig für die Frage, ob die Schlafstörung eine Erkrankung darstellt, ist die Dauer der auftretenden Beschwerden: Bestehen sie für mindestens drei Monate und resultiert daraus eine Verschlechterung der Tagesaktivität und der Leistungsfähigkeit, liegt eine sogenannte chronische Insomnie vor.
Die chronische Insomnie ist eine der häufigsten Erkrankungen der Schlafmedizin. Etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, Frauen häufiger als Männer.
Welche Ursachen liegen Schlafstörungen zugrunde?
Insgesamt werden 80 Formen von Schlafstörungen unterschieden, berichtet die Deutsche Hirnstiftung. Entsprechend vielfältig sind auch die Ursachen.
So kann eine Schlafstörung eine eigenständige Krankheit sein, ohne dass eine Ursache gefunden wird – dann liegt eine primäre Insomnie vor. Die Schlafstörung kann auch als Begleitsymptom oder Folgestörung bei anderen Erkrankungen auftreten wie z. B. bei Depressionen, neurologischen oder internistischen Erkrankungen. Ebenso können manche Medikamente zu Schlafstörungen führen, auch Genussmittel, wie z. B. Koffein, oder Drogen wie Alkohol oder Amphetamine.
Seelische Belastungen, wie z. B. Sorgen im Privatleben oder Stress im Beruf, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Und schließlich sind auch äußere Faktoren nicht zu unterschätzen, wie etwa eine laute, zu helle, zu kalte oder zu heiße Umgebung.
Wann sollte man ärztliche Hilfe suchen?
Wenn deine Schlafprobleme häufiger als dreimal pro Woche auftreten und länger als drei Monate andauern – insbesondere, wenn du dich tagsüber müde, gereizt oder erschöpft fühlst, deine Konzentration nachlässt und der Alltag darunter leidet –, solltest du das Gespräch mit einer Ärztin bzw. einem Arzt suchen.
Auch wenn bereits chronische Erkrankungen bestehen – etwa Depression, Angststörungen, Herz-Kreislauf-Probleme oder neurologische Erkrankungen –, kann schlechter Schlaf die Beschwerden verstärken und sollte gezielt behandelt werden. Gleiches gilt, wenn der Schlaf durch Symptome wie lautes Schnarchen, Atempausen, nächtliches Zucken oder starkes Schwitzen beeinträchtigt ist.
Scheue nicht davor zurück, Hilfe zu suchen. Schlaf ist keine Nebensache – sondern eine wesentliche Voraussetzung für Gesundheit, seelisches Wohlbefinden und Lebensqualität. Je früher Schlafprobleme ernst genommen und behandelt werden, desto besser sind die Aussichten auf Besserung.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Erste Ansprechperson ist in der Regel die Hausärztin oder der Hausarzt. In einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) wird erfragt, wie lange die Schlafprobleme bestehen, wie genau sie sich äußern, wie der Alltag dadurch beeinflusst wird – und ob weitere Beschwerden hinzukommen, etwa depressive Verstimmung, Konzentrationsprobleme oder körperliche Symptome.
Häufig wird empfohlen, ein sogenanntes Schlaftagebuch zu führen: Darin notieren Betroffene über zwei Wochen hinweg Schlafenszeiten, Aufwachphasen und Tagesbefinden. Das hilft, Muster zu erkennen und einzuschätzen, ob es sich um eine behandlungsbedürftige Schlafstörung handelt.
Zusätzlich können standardisierte Fragebögen zum Einsatz kommen, die die Schwere einer Insomnie systematisch erfasst.
Wenn der Verdacht besteht, dass die Schlafprobleme durch eine andere Erkrankung ausgelöst oder verstärkt werden – z. B. durch nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) oder Bewegungsstörungen wie das Restless-Legs-Syndrom –, ist eine weiterführende Diagnostik im Schlaflabor notwendig. Dort werden Körperfunktionen wie Atmung, Puls, Hirnströme und Muskelbewegungen während des Schlafs aufgezeichnet (Polysomnographie), um die genaue Ursache festzustellen
Wie werden Schlafstörungen behandelt?
Die Therapiemöglichkeiten sind vielfältig und richten sich nach der jeweiligen Form von Schlafstörung und der Ursache.
So werden beispielsweise die schlafbezogenen Atmungsstörungen z. B. durch Atmungsgeräte mit sogenannter Maskenatmung behandelt. Bei Schlafstörungen, die im Rahmen von Depressionen auftreten, sollte eine antidepressive Therapie erfolgen.
Bei Insomnie wird bevorzugt eine kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt. Sie kann in der Regel ambulant durchgeführt werden: in Gruppen von vier bis acht Patienten.
Die medikamentöse Therapie von Schlafstörungen ist insgesamt kritisch zu sehen. Deshalb kommen Schlaf- und Beruhigungsmittel wie z. B. Benzodiazepine nur kurzzeitig zum Einsatz. Sie wirken rein symptomatisch, nicht an der Ursache. Da sie schnell abhängig machen und viele unerwünschte Nebenwirkungen haben, sollten sie nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden und unter ärztlicher Kontrolle.
Für die Wirksamkeit von pflanzlichen Mitteln zur Linderung von Schlafstörungen, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind, gibt es leider (noch) keine aussagekräftigen Studien.
Gleiches gilt für den Einsatz von Antihistaminika bei Schlafstörungen.
Melatonin ist ein Hormon, das im Körper gebildet wird und den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. In Deutschland gibt es melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel und melatoninhaltige Medikamente. Inwieweit Melatonin Schlafstörungen lindern kann, muss weiter in Studien erforscht werden.
Bitte lass dich bei Fragen rund um die Behandlung von Schlafstörungen in deiner hausärztlichen Praxis und/oder deiner Apotheke kompetent beraten
Was kannst du selbst bei Schlafstörungen tun?
Wenn du ab und zu schlecht schläfst – sei es wegen Stress, einem unregelmäßigen Tagesablauf oder belastenden Gedanken –, können gezielte Maßnahmen helfen, den Schlaf zu verbessern. Wichtig ist: Diese Tipps richten sich an Menschen mit leichten, vorübergehenden Schlafproblemen. Wenn die Beschwerden länger anhalten oder sich verschlimmern, solltest du unbedingt ärztlichen Rat einholen.
Hier sind einige bewährte Strategien, die du ausprobieren kannst:
1. Schlafhygiene verbessern
Eine ruhige, dunkle, kühle und möglichst reizfreie Schlafumgebung unterstützt den natürlichen Schlafrhythmus. Nutze das Schlafzimmer idealerweise nur zum Schlafen – nicht zum Arbeiten, Fernsehen oder für das Handy.
2. Regelmäßige Schlafenszeiten einhalten
Versuche, jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen – auch am Wochenende. Ein geregelter Rhythmus hilft dem Körper, sich auf den Schlaf einzustellen.
3. Auf Koffein, Alkohol und Nikotin am Abend verzichten
Diese Substanzen wirken anregend oder stören den Schlaf. Besonders Alkohol kann zwar das Einschlafen erleichtern, führt aber zu einem unruhigen, weniger erholsamen Schlaf mit häufigem Erwachen.
4. Digitale Auszeiten vor dem Zubettgehen einplanen
Das blaue Licht von Bildschirmen hemmt die Ausschüttung von Melatonin – dem Hormon, das müde macht. Plane daher mindestens 30 Minuten vor dem Schlafengehen eine digitale Pause ein.
5. Abendliche Rituale und Entspannungsübungen nutzen
Ruhige Routinen wie Lesen, eine Tasse Tee oder einfache Entspannungsübungen (z. B. Atemtechniken oder progressive Muskelentspannung) helfen dabei, Körper und Geist herunterzufahren.
6. Bewegung in den Alltag integrieren – aber nicht zu spät
Regelmäßige körperliche Aktivität am Tag kann den Schlaf fördern. Vermeide jedoch intensives Training am späten Abend, da es den Körper zu sehr aktiviert.
7. Gedanken abladen – statt sie mit ins Bett zu nehmen
Wenn du nachts oft grübelst, kann es helfen, deine Gedanken am Abend aufzuschreiben – zum Beispiel in einem kleinen Notizbuch. So schaffst du innerlich Platz für Ruhe.
Diese Maßnahmen können dabei helfen, den Schlaf wieder ins Gleichgewicht zu bringen – sie ersetzen jedoch keine medizinische Behandlung. Wenn du regelmäßig schlecht schläfst, dich tagsüber erschöpft fühlst oder dein Alltag spürbar darunter leidet, zögere nicht, ärztliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Quellen:
Fernandez-Mendoza, J., & Vgontzas, A. N. (2013). Insomnia and its impact on physical and mental health. Current psychiatry reports, 15(12), 418. https://doi.org/10.1007/s11920-013-0418-8
BARMER-Analyse – Schlafstörungen nehmen weiter zu. Pressemitteilungen 2023
Deutsche Hirnstiftung: Schlafstörungen
Deutsche Hirnstiftung: Schlafstörungen – was tun, wenn man nicht schlafen kann?
gesundheitsinformation.de: Schlafprobleme und Schlafstörungen (Insomnie)
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Stand 23.07.2025
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