Narben

Ein Unfall, eine Schnitt- oder Stichverletzung, eine Verbrennung oder ein chirurgischer Eingriff – sie alle hinterlassen Narben auf unserer Haut: kleine, eher unauffällige, aber auch großflächige und erhabene Narben, manche schmerzhaft, manche juckend, sehr oft störend. Wie entstehen Narben, kann man ihre Bildung verhindern und wie lassen sich Narben behandeln?

Wie entstehen Narben?
Unsere Haut ist ein wahres Wunderwerk. Zart, weich und empfindsam – und gleichzeitig stark, robust und widerstandsfähig. Als Schutzschild des Körpers gegen schädliche Einflüsse von außen wehrt die Haut täglich unzählige Angriffe ab: Verletzungen, Hitze und Kälte, Bakterien, Viren und Pilze, Schadstoffe und Allergene, um nur einige Angreifer zu nennen. Dabei verfügt sie über unglaubliche Selbstheilungskräfte, um entstandene Schäden zu beheben.

So entstehen auch Narben. Sie sind das Ergebnis eines natürlichen Wundheilungsprozesses:

Wenn die Haut verletzt wird, stehen ihr zwei körpereigene Mechanismen zur Verfügung, um die Wunde zu heilen: Regeneration und Reparatur.

Die Regeneration kommt bei sehr oberflächlichen Wunden zum Einsatz: wenn „nur“ die Oberhaut (Epidermis) verletzt ist. Das verletzte Gewebe wird durch gleichartige Hautzellen geschlossen und die Wunde heilt – meist ohne Narbe – aus.

Reicht die Verletzung tiefer, also bis in die Lederhaut (Dermis), kann sich die Haut nicht mehr regenerieren. Es muss eine Reparatur erfolgen. Dazu wird die Wunde zunächst mit einem Blutgerinnsel geschlossen und dann mit Bindegewebe aufgefüllt – die Narbe entsteht.

Narbengewebe stellt ein minderwertiges Gewebe dar: Es ist weniger elastisch als gesunde Haut und verfügt nicht über Haare, Schweiß- oder Talgdrüsen. Melanozyten, die für die Pigmentbildung zuständig sind, fehlen ebenfalls. Deshalb heben sich die Narben auch farblich von unverletzter Haut ab.

Welche Narbenarten werden unterschieden?
Narbe ist nicht gleich Narbe. Während viele Wunden problemlos abheilen und nur unauffällige Narben zurückbleiben, sind andere z. B. gerötet und wulstig. Wie stark die Narbenbildung im Einzelnen ausgeprägt ist, wird von einer Reihe Faktoren bestimmt, wie Art, Schwere und Körperstelle der Verletzung, Wundhygiene und Infektionen, aber auch durch den Patienten selbst: Alter, Hauttyp sowie die genetische Veranlagung spielen hier eine Rolle.

Zwischen diesen Narbenarten wird unterschieden:

  • Atrophe Narben liegen „eingesunken“ unterhalb des Hautniveaus und sind in der Regel flach und breit. Sie entstehen, wenn während der Wundheilung nicht genügend Bindegewebe gebildet wird, um die Wunde komplett auszufüllen. Aknenarben, die nach der Abheilung schwerer Entzündungen zurückbleiben, sind typisch für atrophe Narben.
  • Hypertrophe Narben erheben sich über das Hautniveau und sind rot und wulstig. Über das ursprüngliche Verletzungsgebiet gehen sie aber nicht hinaus. Sie sind oft mit starkem Juckreiz und Schmerzen verbunden. Hypertrophe Narben entstehen als Folge einer Überproduktion von Bindegewebe. Begünstigt wird die Bildung dieser Narbenart z. B. durch mangelnde Schonung der Wunde oder eine Wundinfektion. Auch sind Kinder und Jugendliche besonders oft betroffen, denn sie neigen zu einer vermehrten Bildung von Bindegewebe.
    Hypertrophe Narben entstehen besonders häufig nach Verbrennungen.
  • Keloide Narben sind Narbenwucherungen, umgangssprachlich auch als „wildes Fleisch“ bezeichnet. Sie wachsen weit über die verletzte Haut hinaus und sind wulstig, rot und dunkel gefärbt. Häufig gehen sie mit starkem Juckreiz einher, das Gewebe ist berührungsempfindlich.
    Keloide entstehen durch eine stark überschießende Produktion von Bindegewebe. Als Ursache wird ein gestörter Kollagenstoffwechsel vermutet. Auch eine genetische Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen. Betroffen sind besonders häufig junge Frauen und Menschen mit dunkler Hautfarbe.
    Keloide entwickeln sich häufig aus Verbrennungswunden. Auch Aknenarben und Operationsnarben können im Laufe der Zeit entsprechend wuchern.
  • Kontrakturen sind großflächige Narben durch Verbrennungen oder Verbrühungen, die dadurch entstehen, dass sich das Gewebe zusammenzieht (Kontraktion). Diese Narbenart beeinträchtigt auch die Funktionalität der betroffenen Körperpartie.

Welche Beschwerden können durch Narben auftreten?
Betroffene haben häufig einen hohen Leidensdruck, insbesondere wenn sich die Narben an gut sichtbaren Körperstellen befinden. Neben kosmetischen Problemen, die überaus belastend sein können, treten vielfach auch körperliche Beschwerden auf, wie z. B. Schmerzen, quälender Juckreiz, Spannungsgefühle oder Einschränkungen in der Beweglichkeit.

Wie können Sie das Abheilen einer Wunde unterstützen?
Der natürliche Prozess der Narbenbildung lässt sich nicht verhindern. Doch es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesen Prozess positiv zu beeinflussen:

So pflegen Sie eine frische Narbe: 

  • Damit die Wunde möglichst problemlos abheilen kann, sollten Sie die frische Narbe wenig belasten. Vermeiden Sie Zug- oder Dehnungsbelastungen der Wunde.
  • Reinigen Sie die Narbe sanft unter fließendem Leitungswasser oder mit einer Kochsalzlösung. Sie können auch ein alkoholfreies Tuch verwenden.
  • Achten Sie darauf, das empfindliche Narbengewebe nicht zu reizen, z. B. mit rauer Kleidung oder Schmuck.
  • Kratzen Sie nicht an juckenden Narben.
  • Duschen und baden Sie nicht zu heiß – dies kann den Juckreiz noch verstärken.
  • Schützen Sie die Narbe vor zu viel Sonneneinstrahlung. Tragen Sie Sonnenschutzmittel auf oder decken Sie die Narbe ab.
  • Massieren Sie die Narbe sanft – dies kann sie flacher, weicher und auch blasser machen.
  • Mit speziellen hochwertigen Narbenprodukten aus der Apotheke, wie z. B. einem Silikongel, können Sie einer Wucherung des Narbengewebes vorbeugen. Verwenden Sie diese Produkte, sobald die Wunde verschlossen und trocken ist. Ihre Ärztin / Ihr Arzt sowie das Apothekenteam Ihres Vertrauens werden Sie hierzu kompetent beraten.

Eine bestmögliche Narbenbehandlung beginnt schon bei der Wundversorgung. Wenn Sie sich eine Verletzung zuziehen, wie z. B. eine Schnitt-, Riss- oder Schürfwunde, ist Hygiene das A und O. Infektionen erschweren den Heilungsprozess und verstärken die Narbenbildung.

Reinigen und desinfizieren Sie die Wunde sorgfältig und behandeln Sie sie anschließend mit einem Mittel zur feuchten Wundheilung. Gehen Sie bei Anzeichen einer Entzündung zum Arzt. In bestimmten Fällen sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen: wenn die Wunde sehr tief ist, stark blutet und / oder sehr verschmutzt ist bzw. Fremdkörper in der Wunde stecken. Das Gleiche gilt grundsätzlich bei Bisswunden, weil hier eine erhöhte Infektionsgefahr besteht.

Bildet sich im Laufe des Heilungsprozesses ein Schorf, kratzen Sie diesen bitte nicht ab – so gelangen Keime in die Wunde.

Mit der Wundheilung beginnt ein Prozess, bei dem sich Haut und Gewebe umstrukturieren. Dieser kann einige Monate dauern. Solange er nicht vollständig abgeschlossen ist, können auch ältere Narben von sorgfältiger Pflege, einer sanften Massage und der regelmäßigen Behandlung mit einem Silikonprodukt profitieren.

Welche therapeutischen Möglichkeiten hat der Arzt?
Wenn sich nach einer bestimmten Wartezeit zeigt, dass Ihre Narbe einer ärztlichen Korrektur bedarf, stehen verschiedene Optionen zur Verfügung:

Zu den nicht-operativen Methoden zählen z. B. Injektionen mit Steroiden oder Interferon, die sogenannte Kältebehandlung (Kryotherapie) sowie die Laserbehandlung, mit der sich Narben glätten und an die umgebende Hautoberfläche anpassen lassen.

Bei der operativen Narbenkorrektur wird das Narbengewebe so weit wie möglich entfernt, anschließend wird die Wunde mit neuen Stichen geschlossen. Je nach Größe und Art der Narbe kommen hier wiederum verschiedene operative Möglichkeiten infrage.

Häufig werden auch mehrere Verfahren miteinander kombiniert.

Welche Methode im Einzelfall die beste ist, entscheidet der behandelnde Arzt. Lassen Sie sich bitte im Vorfeld ausführlich informieren und beraten.

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